Janosch:18 Jahre aus der Ukraine
Beruf: Stricher und Kleinkrimineller


Stefan im Gespräch mit Janosch* (Name geändert*) einem jungen ostdeutschen Stricher der seinen Lebensunterhalt durch Prostitution sowie gelegentlich als Klein-krimineller bestreitet. Schonungslos offen berichtet Janosch über sein Leben und seinen gehassten Job als Stricher.


Stefan: Janonsch, wie alt bist du und aus welchem Land kommst du?

Janosch: Ich bin 18 Jahre alt und komme aus der Ukraine. Als Halbweise bin ich in einem Kinderheim in der Ukraine aufgewachsen. Mehrfach getürmt, und als man mich in eine Besserungsanstalt stecken wollte, bin ich entgültig abgehauen und habe die Ukraine zusammen mit einem älteren Kumpel verlassen.

Stefan: Seit wann lebst du schon in Deutschland?

Janosch: Über Polen bin ich in die BRD illegal eingereist. Das war vor ca. 1 1/2 Jahren. Zwei Monate habe ich in Berlin gelebt und mir meinen Lebensunterhalt mit kleinen Diebstählen, betteln und sonstiger Beschaffungskriminalität verdient. Meinen Kumpel, mit dem ich zusammen aus der Ukraine geflüchtet bin haben die Bullen in Berlin bei einem Ladendiebstahl erwischt und später wohl in die Ukraine abgeschoben. Ich habe ihn seither nicht mehr gesehen oder gesprochen.

Stefan: Hast du keine Angst selber geschnappt zu werden, und ausgewiesen zu werden?

Janosch: Doch klar! Jeden Tag wenn ich aufstehe muss ich daran denken ob dieser Tag gut für mich läuft, und ich nicht erwischt und dann abgeschoben werde. Da hab ich schon ziemlich Schiss vor!

Stefan: Wie sieht so ein Tag für dich aus?

Janosch: Momentan wohne ich noch bei einem älteren, schwulen Freund. Das wird aber nicht mehr lange so gehen, weil die Leute schon reden. Jeden Tag muss ich damit rechnen das die Bullen vor der Türe stehen und mich mitnehmen. Ich schlafe bei Nacht sehr schlecht, und wenn ich dann am Nachmittag aufstehe fahre ich mit der S-Bahn in die Stuttgarter City. Ich treffe Leute die auf der Strasse leben, oder Kumpels die wie ich hin und wieder in Kaufhäusern klauen gehen oder sich sonst irgendwie die Zeit tot schlagen. Am frühen Abend mache ich mich dann auf zur STAGA wo ich die meisten Jungs kenne, die dort auf den Strich gehen. Viele davon sind oder waren in einer ähnlichen Situation wie ich selber!

Stefan: Du prostituierst dich auf dem Männerstrich?

Janosch: Klar! Machen doch alle dort! Die einzige Art und Weise als Illegaler auf legale Art an Kohle zu kommen um sich etwas zum essen kaufen zu können!

Stefan: Bist du schwul?

Janosch: Nein! Eigentlich hasse ich die Schwulen! In der Ukraine hatte ich bevor ich ins Heim kam eine feste Freundin. Und auch in Berlin war ich mit einem Mädchen zusammen, die am Zoo auf den Drogenstrich anschaffen ging um sich ihre teuren Drogen beschaffen zu können.

Stefan: Hast du selber auch etwas mit Drogen zu tun?

Janosch: Ich habe Marihuana und Extacy ausprobiert! Das ist aber nicht´s für mich. Ich habe keine Lust ganz unten, noch tiefer in der Gosse zu landen, um irgendwann auf einer Bahnhofs-Toilette mit einer Heroin-Spritze im Arm gefunden zu werden!

Stefan: Wie lange arbeitest du schon auf dem Männerstrich?

Janosch: Eigentlich schon seit ich in der BRD bin! In Berlin hat mich so ein alter Sack auf einer Bahnhofs-Toilette angegrabscht als ich gerade dabei war zu pinkeln. Am liebsten hätte ich ihm eine in die Fresse gehauen! Mit der anderen Hand wedelte er mit einem 20,- EUR Schein. Mit geballter Faust in der Hosentasche lies ich es damals über mich ergehen das er mich in einer dreckigen Kabine oral befriedigte! In zwei Minuten war alles vorbei, und ich hatte die 20,- EUR in der Tasche. Schnell und legal verdiente Kohle!

Stefan: Als Hetero ist es sicher nicht leicht die Wünsche eines Freiers immer zu befriedigen?

Janosch: Nein! Lange Zeit konnte ich keinen anderen Mann auch nur anfassen! Ich stand meistens bloss da und lies mich passiv befriedigen! Irgendwann habe ich aber festgestellt, das sich mehr Kohle machen lässt, wenn ich selber auch den Freier bediene und aktiv werde! Hinterher habe ich dann sehr oft gekotzt wegen dem Ekel damals!

Stefan: Welches Klientel kauft sich Sex auf dem Autostrich?

Janosch: Die STAGA ist bekannt für Frischfleisch! Meistens sind es alte (Hetero)Säcke die mit ihrem dicken Mercedes vorfahren und sich die Jungs die bei schönem Wetter auf dem Geländer sitzen heranwinken. Oft brave Familienväter oder alte Schwule die sonst nichts mehr abbekommen. Kaum jüngere Typen. Viele der Freier sind regelrechte Stammkunden an der STAGA, und die haben oft schon ihren Stammstricher! Bei schlechtem Wetter und im Winter trifft man die Jungs und auch die Freier in einer nahe gelegenen Kneipe. Die Freier suchen sich dort ihr Frischfleisch aus wie andere ihr Essen auf der Speisekarte. Aber im allgemeinen frage ich bzw. sprechen die Freier nicht über ihre familiären Verhältnisse.

Stefan: Reicht das Geld durch Prostitution aus um deinen Lebenunterhalt zu bestreiten?

Janosch: NEIN! Oft stehe ich mir die Füsse in den Bauch, friere und habe bis spät in der Nacht keinen müden EURO verdient! Auch der Freier versucht heute den Preis zu drücken und zu sparen wo es nur geht! Dazu kommt, das einige der Jungs die Preise so sehr drücken um ihren Drogenkonsum zu finanzieren, das die Preise wirklich am Boden liegen und auf dem Strich nicht mehr allzuviel zu verdienen ist! Dann muss ich schnorren gehen oder am nächsten Tag in irgend einem Kaufhaus was klauen, was sich später auf der Strasse zu Geld machen lässt. Meistens sind es CDs, Parfums etc. die ich an andere Jugendliche verticker! Immer die Gefahr im Rücken einmal erwischt zu werden! Ich hasse das!  

Stefan: Wie wichtig ist für dich das Thema HIV & AIDS?

Janosch: Sehr wichtig! Ohne Gummi geht gar nix! Auch wenn immer mehr Freier versuchen mit einem extra Schein diesen besonderen Service zu erkaufen! Das ist nicht immer leicht und viele der Jungs erliegen diesem verlockenden Angebot und lassen sich ohne Gummi ficken oder in den Mund spritzen. Oft fehlt es den Jungs aber auch bloss am Geld für Gummis! Oftmals sehr zur Freude der Freier die vor lauter Geilheit gar nicht erahnen welches Risiko sie selber dabei eingehen!

Stefan: Kennst Du HIV+ Stricher?

Janosch: Ja! Die meisten der Jungs haben zwar einen ganz offiziellen Bockschein vom Gesundheitsamt sind gesund und gehen ganz offiziell und legal dem Gewerbe nach! Aber Jungs wie ich selber die illegal in Deutschland leben können ja nicht einfach zum Gesundheitsamt marschieren und sich regelmässig u.a. auf HIV & AIDS untersuchen lassen!

Gibt es Tabus für dich die du deinen Freiern vorenthällst?

Klar! NS & KV (Natursekt & Kaviar) geht gar nicht! Fesselspiele und Doktorspiele auch nicht! Aber das ist es auch nicht, was die Mehrzahl der Freier wünscht! Die meisten haben es sehr eilig und wir fahren ein Stück mit dem Wagen oder gehen in eine der dreckigen Toiletten-Kabinen an der STAGA oder abends in den Park. Selten nimmt dich ein Freier mal mit nach Hause! Dann geht es den Kerlen nicht schnell genug! Wichsen und die orale Befriedigung also blasen wird am meisten verlangt! Es kommt auch vor, das dich ein Freier anal befriedigen möchte. Das lasse ich aber bloss mit mir machen, wenn die Kohle stimmt! Oft bediene ich mich einem alten Nuttentrick! Die Kerle ficken mir quasi zwischen die Schenkel und merken das nicht mal im engen Auto oder im dunklen Park! Ich empfinde dabei keine Lust!

Stefan: Gab es auch schon gefährliche Situationen für dich?

Janosch: Klar! Abgesehen von der immer wiederkehrenden Flucht von Polizeikontrollen ( auch in Zivil ) gab es schon hin und wieder auch gefährliche Situationen! Einmal hat mich ein Freier mit einem Messer bedroht weil ihn das geil machte mich zu vergewaltigen! Ich konnte den Typ nicht mal anzeigen als Illegaler! Noch geiler hat es ihn wohl gemacht mich um meinen Lohn zu prellen! Die Sau hat mich halbnackt wie ich war einfach aus dem Wagen in den Dreck geschmissen.

Stefan: Gibt es von keiner Stelle Hilfe in derartigen Situationen?

Janosch: NEIN! Es gibt in Stuttgart einen Streetworker der AIDS-Hilfe. Er berät und klärt auf ohne lästige Fragen zu stellen wer wir sind und woher wir kommen! Materiell unterstützt er uns mit Essen & Trinken zweimal in der Woche. Mehr Hilfe gibt es nicht für mich! Die Angst erwischt und aufgegriffen zu werden ist zu gross!

Stefan:  Wie stellst du dir deine Zukunft vor?

Schwierige Frage! Auf jeden Fall möchte ich gerne in der Zukunft legal in Deutschland bleiben und arbeiten! Vielleicht studieren! Auf jeden Fall später eine Familie gründen. Aber bis es soweit ist, werde ich wohl weiter an der STAGA meinen Arsch hinhalten und darauf hoffen, nicht als Illegaler erwischt und abgeschoben zu werden.

Anmerkung:

Janosch wurde im März 2004 von Ladendetektiven beim Diebstahl ertappt und der Polizei übergeben. Janosch drohen nun neben einer empfindlichen Strafe die baldige Abschiebung in sein Heimatland da er nicht deutschstämmig d.h. keine deutschen Vorfahren in der Ukraine hat. Dieser Umstand hat mich bewogen dieses Interview das ich im Februar 2004 mit Janosch geführt habe mit dessen Einwilligung doch zu veröffentlichen da das Strafverfahren gegen ihn abgeschloss-en, und von einer weiteren Strafverfolgung durch die deutsche Justiz nicht mehr ausgegangen werden muss.

Ich wünsche Janosch alles nur erdenklich Gute auf seinem weiteren Lebensweg!

Stefan 

(c) s-gay 04/2004 Foto: Archiv s-gay.de

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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